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Erinnerung an Alfred Gleisner

Von Unna in die „hohe“ Politik – und zurück ins „neue Bergkamen

15. Februar 2022 / in Uncategorized

„Diese politische Laufbahn ist wohl nahezu einmalig“, sagen SPD-Kreistags-Fraktionsvorsitzender Hartmut Ganzke und Unnas SPD-Chef Sebastian Laaser Bewunderung in der Stimme: Sie meinen damit Alfred Gleisner, heute vor 31 Jahren, am 15. Februar verstorben ist und in Unna seine letzte Ruhestätte fand.

Alfred Gleisner, geboren am 19. Juni 1908 in Kamen, war der erste Fraktionsvorsitzende der SPD im Unnaer Kreistag nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1959 führte die Kreistagsfraktion ebenso wie die SPD-Stadtratsfraktion in Unna. Er nahm, das lässt sich ohne Übertreibung sagen, eine wahrhaft erstaunliche politische Karriere.

Zunächst besuchte Alfred Gleisner, der als überaus wortgewandt galt, die Volksschule und arbeitete zunächst als Bergmann. Doch 1928 trat er in den preußischen Polizeidienst ein und wurde nach Absolvierung der Kriminalpolizeischule in Potsdam 1932 Inspektor im polizeilichen Sicherheitsdienst. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten musste er 1933 den Polizeidienst allerdings verlassen, weil er aktives Mitglied des demokratisch gesinnten republikanischen Polizeibeamtenverbandes war und bei den neuen Machthabern als politisch unzuverlässig galt.

„Gleisner arbeitete dann für Versicherungen, als Organisationsleiter verschiedener Gesellschaften und schließlich kaufmännisch als Geschäftsführer einer Firma in Frankfurt. Während des Krieges war Gleisner als Offizier zunächst im Frontdienst eingesetzt, nach einer schweren Verletzung dann im Stabsdienst“, wie der frühere Bergkamener Stadtarchivar Martin Litzinger schreibt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er zurück in seine westfälische Heimat und wurde zunächst Parteisekretär des SPD-Unterbezirks und engagierte sich fortan vehement im Unnaer Stadtrat sowie im Kreistag für die kommunale Selbstverwaltung. Er lieferte sich im Kreistag manchen harschen Schlagabtausch mit seinem Kontrahenten Bickschulte von der KPD und war beim Kampf gegen die Demontage der Chemischen Werke Bergkamen ganz vorn dabei. 1956 übernahm er überdies ehrenamtlich den Vorsitz  Landespolizeibeirates und er wurde erster Präsident des im Jahr 1971 neu gegründeten nordrhein-westfälischen Städte- und Gemeindebundes, des kommunalen Spitzenverbands der kreisangehörigen Städte und Gemeinden in NRW.

Allein bis hierhin ist seine Vita schon ungewöhnlich, sind seine Lebensstationen doch beachtlich. Doch neben seinen beiden Ämtern als Fraktionsvorsitzender im Stadtrat von Unna und im Kreistag gehörte Alfred Gleisner von 1947 bis 1950 auch dem NRW-Landtag an, wo er stellvertretender Vorsitzender des Rechts- und des Justizausschusses war. Doch damit nicht genug: 1949 gewann er das Direktmandat im Wahlkreis Unna – Hamm bei der Bundestagswahl! Und bei den beiden folgenden Wahlen zog er über die SPD-Landesliste ins Parlament ein. Im Bonner Bundestag war er ordentliches Mitglied des Verteidigungsausschusses von 1949 bis 1959. Darüber hinaus gehörte er als stellvertretendes Mitglied von 1953-1957 dem Innenausschuss an. Am 17. März 1959 legte er sein Mandat nieder, um sich fortan ganz der Kommunalverwaltung und Kommunalpolitik widmen zu können, nachdem er bereits 1958 Amtsdirektor des Amtes Pelkum geworden war.

Und so wurde Alfred Gleisner schließlich einer der (wenn nicht der) „Gründungsväter“ der Stadt Bergkamen. Vom 1. Januar bis zum 14. Juni 1966 war er der erste Gemeindedirektor der Großgemeinde Bergkamen, seit dem 14. Juni 1966 (Verleihung der Bezeichnung „Stadt“) bis zu seiner Pensionierung im Juni 1973 dann erster Stadtdirektor der neu entstandenen Stadt Bergkamen. Der „Alfred-Gleisner-Platz“ erinnert an sein Wirken, das überdies mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt gewürdigt wurde. Doch nicht nur das: 1971 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, 1980 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. „Alfred Gleisner hat sich natürlich besonders für Bergkamen engegiert, aber auch für die gesamte Region. Er war eine herausragende Persönlichkeit unserer heimischen Geschichte“, ist sich Hartmut Ganzke über das Wirken seines frühen Amtsvorgängers sicher. Und – Recht hat er!

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